Girokonto im Ausland: Was bei Reisen, Auswanderung und Auslandsüberweisungen wirklich wichtig ist

Wer zum ersten Mal mit seiner deutschen Debitkarte in einem New Yorker Supermarkt zahlt und drei Tage später eine Abbuchung mit merkwürdiger Differenz zum tatsächlichen Einkaufsbetrag sieht, hat seine erste Lektion im Thema Auslandsbankgeschäfte erhalten. Keine dramatische, aber eine lehrreiche. Denn das deutsche Girokonto ist primär für Deutschland gebaut – und wer es über die Grenzen hinaus benutzt, merkt schnell, wo die Konstruktion aufhört.

Das betrifft mehr Menschen als man denkt. Nicht nur Dauerreisende oder Auswanderer – schon der zweiwöchige Sommerurlaub außerhalb der Eurozone, ein Freund in Kanada, dem man Geld schickt, oder ein Freelancer-Auftrag mit internationalem Auftraggeber reicht aus, um in Gebührenterritorium zu geraten, das bei Kontoeröffnung nie Thema war.

Urlaubsrealität: Was am Geldautomaten wirklich passiert

Innerhalb der Eurozone ist die Lage entspannt. SEPA hat dafür gesorgt, dass Überweisungen zwischen EU-Ländern in Euro genauso funktionieren und kosten wie Inlandsüberweisungen. Kartenzahlungen in Euro-Ländern laufen bei den meisten deutschen Konten ohne Extragebühren. Wer nur innerhalb Europas unterwegs ist und immer in Euro zahlt, merkt oft gar keinen Unterschied zu Deutschland.

Aber sobald Währungswechsel ins Spiel kommt, ändert sich das Bild. In der Türkei, in Kroatien bis zur Euro-Einführung, in der Schweiz, in Großbritannien nach dem Brexit, in Thailand, den USA, überall außerhalb des Euro-Raums: Jede Abhebung und oft auch jede Kartenzahlung kostet extra. Die übliche Struktur ist eine Fixgebühr pro Vorgang (zwischen 1,50 und 3 Euro) plus ein prozentualer Auslandsaufschlag (1,5 bis 2,5 Prozent des Betrags). Wer in New York 200 Dollar abhebt, zahlt bei ungünstigen Konditionen bis zu 7 Euro Extrakosten – allein für diesen einen Vorgang.

Dazu kommt ein Phänomen, das viele überrascht: die sogenannte Dynamic Currency Conversion, kurz DCC. Am Geldautomaten oder beim Zahlen im Laden wird angeboten, den Betrag direkt in Euro umzurechnen – "für mehr Transparenz", wie es gerne heißt. Diese Option fast immer ablehnen. Der angebotene Wechselkurs ist in aller Regel schlechter als der Kurs, den die eigene Bank anwendet. Die Transparenz kostet hier real Geld, manchmal mehrere Prozentpunkte. Immer in der Landeswährung zahlen und die Umrechnung der eigenen Bank überlassen – das ist die richtige Reihenfolge.

Welche deutschen Konten sind im Ausland wirklich tauglich? Die DKB ist seit Jahren bekannt dafür, ihren Aktivkunden kostenlose Abhebungen weltweit zu ermöglichen. Die ING hat ähnliche Konditionen für Kartenzahlungen im Ausland. Neobanken wie Revolut oder Wise sind speziell auf internationale Nutzung ausgelegt und bieten oft bessere Wechselkurse als traditionelle Banken – allerdings mit eigenen Tücken (dazu gleich mehr). Wer viel reist, sollte das explizit als Kriterium in den Kontenvergleich einbauen, nicht als Nachgedanken.

Geld ins Ausland schicken: Die unterschätzte Kostenfalle

Auslandsüberweisungen sind ein eigenes Kapitel – und eines, das für viele Menschen in Deutschland zunehmend relevant wird. Ob Unterstützung für Familie im Ausland, Bezahlung internationaler Dienstleister oder Miete für eine Wohnung im Ausland: Überweisungen außerhalb des SEPA-Raums kosten bei klassischen Banken schnell zwischen 10 und 25 Euro pro Vorgang. Manchmal mehr. Und das ist nur die Gebühr der sendenden Bank – die Empfängerbank kann eigene Gebühren abziehen, sodass der Empfänger weniger erhält als gesendet wurde.

Hier sind spezialisierte Dienste den klassischen Girokonten haushoch überlegen. Wise (früher TransferWise) arbeitet mit dem echten Mittelkurs und transparenten Gebühren, die je nach Betrag und Zielland zwischen 0,4 und 1,5 Prozent liegen. Das ist ein anderes Preismodell als "15 Euro Pauschale" – und bei größeren Beträgen macht das einen erheblichen Unterschied. Ähnliches gilt für WorldRemit oder Remitly, die besonders für Überweisungen in Entwicklungsländer optimiert sind.

Das klassische Girokonto ist für internationale Überweisungen also oft das schlechteste Werkzeug. Das bedeutet nicht, dass man das Konto wechseln muss – sondern dass https://girokonto-eroeffnen.com/ man für diesen Zweck ein Parallelkonto oder einen spezialisierten Dienst nutzen sollte. Beides gleichzeitig zu haben ist keine Überkompetenheit, sondern einfach sinnvolle Aufgabenteilung.

Auswandern: Wenn das deutsche Konto plötzlich zum Problem wird

Wer dauerhaft ins Ausland zieht, steht vor einer Frage, die viele unterschätzen: Wie lange kann und sollte man das deutsche Girokonto behalten? Kurzantwort: oft länger als gedacht, aber nicht für immer problemlos.

Viele deutsche Banken dulden Auslandsadressen – aber nicht alle. Manche Institute kündigen Konten, wenn der Wohnsitz dauerhaft ins Nicht-EU-Ausland verlegt wird, oder schränken die Nutzung ein. Wer nach Australien, in die USA oder nach Singapur auswandert, sollte das frühzeitig mit seiner Bank klären und nicht darauf vertrauen, dass schon nichts passiert.

Innerhalb der EU hingegen gilt: Ein bereits laufendes Konto bei einer deutschen Bank darf in der Regel behalten werden. Die EU hat das Recht auf ein Zahlungskonto europaweit gestärkt, und viele Direktbanken sind ohnehin digital aufgestellt und stellen keine Fragen zur Wohnadresse, solange die Steuerpflicht geregelt ist.

Praktisch entscheidend beim Auswandern: Deutsche Lastschriftmandate, Rentenansprüche, Steuererstattungen, Kapitaleinkünfte – all das läuft oft noch Jahre über das deutsche Konto. Wer es vorschnell schließt, schafft sich administrative Probleme, die sich vermeiden ließen. Besser: das deutsche Konto parallel zum lokalen Konto im Zielland weiterführen, bis alle laufenden Verbindlichkeiten migriert sind. Das kann ein Jahr dauern, manchmal auch zwei.

Und dann ist da noch die IBAN-Diskriminierung – ein Thema, das offiziell seit 2016 verboten ist, in der Praxis aber weiter vorkommt. Manche deutschen Unternehmen, Vermieter oder Dienstleister lehnen ausländische IBANs für Lastschriften ab, obwohl das EU-weit rechtswidrig ist. Wer mit einer spanischen oder niederländischen IBAN zahlen will und auf Widerstand stößt, kann sich auf die EU-Verordnung 260/2012 berufen – aber das hilft im Alltagsstress wenig. Für solche Konstellationen ist ein deutsches Konto weiterhin nützlich, auch wenn man längst woanders wohnt.

Das Girokonto für den internationalen Einsatz zu optimieren bedeutet also selten, das Hauptkonto zu wechseln. Meistens bedeutet es, das richtige Werkzeug für den richtigen Zweck zu finden – und zu akzeptieren, dass ein einziges Konto nicht alles können muss.